Hintergründe

Hufbeschlag ist neben dem `Schmieden`wohl eines der ältesten und traditionellsten Handwerke. Manche Abläufe und Handgriffe werden heute noch exakt genauso verrichtet wie vor hunderten von Jahren. Sicherlich haben in den letzten Jahrzehnten viele Neu- und Weiterentwicklung auf technischer Seite dem modernen Schmied die Arbeit erleichtert und für ein verändertes Erscheinungsbild gesorgt. Wichtiger jedoch - wenn auch äusserlich nicht immer gleich und einfach zu erkennen - sin die zahlreichen neuen und spannenden Erkenntnisse in der Wissenschaft zu Struktur und Phatologie des Bewegungsapparates des heutigen Pferdes.

In ihrer Grundstruktur schon, aber in ihrer Genetik und ihrem Verhalten hat die moderne Zucht und Haltung und im besonderen, die heute vielschichtige Nutzung unser geliebten Vierbeiner, für die wohl stärksten Veränderungen im alltäglichen Umgang mit der Arbeit am Pferd gesorgt. Längst werden in der Schmiede von heute nicht mehr nur Eisen geschmiedet und aufgenagelt.

Nein, sicherlich nicht! Eine fast unüberschaubare Menge an Spezial- und Orthopädischen Eisen- und Aluminiumrohlingen für Sonderbeschläge, genauso wie diverse, Kunststoffe, Verbundwerkstoffe, Kleber und Kunsthorne haben in der Hufbeschlagschmiede Einzug gehalten.

Beschlug der Hufschmied von einst sein Arbeitsleben lang fast nur Pferde eines einzigen Rassetypus mit häufig seinem regionaltypischen Verwendungszweck geeigneten Eisen, so muss er sich heute auf eine Vielzahl verschiedenster Pferdetypen, Rassen und beinahe genauso vielen Verwendungsmöglichkeiten der Pferde in Sport und Freizeit einstellen.

Zum klassischen Hufbeschlag schon, speziell wenn man den vorstehenden Ausführungen, logisches Denken folgen lässt. Viele Kollegen und ich genauso würden aber auf diese Frage ein klares - NEIN! - als Antwort geben. Die Aufgabe des verantwortungsbewussten Hufbeschlagschmiedes war schon immer die ganzheitliche Betrachtung "aller" erforderlichen Maßnahmen am Huf zum Wohle und zum Erhalt der Gesundheit des Pferdes. Die neuzeitlich aufgekommenen Diskussionen und Berufsabgrenzungen der arbeiten am Huf entbehren sich für mich jeglicher Logik. Die erforderlichen Maßnahmen zum Schutze der Hufe, und somit zum Schutze des Pferdes haben aus meiner Sicht folgende Aspekte: Erhalt, Korrektur und Nutzung, immer unter der primären Betrachtung der Gesundheit des jeweiligen Pferdes. Kommunikation zwischen dem Verantwortlichen Tierarzt, Hufschmied, Pferdehalter und Bereiters, sowie die entsprechende kompetente Beratung der Fachleute bilden die Basis der Verantwortung gegenüber dem anvertrauten Tier. Nur der Hufschmied ist staatlich autorisiert alle erforderlichen Maßnahmen am Huf auch auszuführen - ohne verfälschende Einschränkungen durch Tätigkeitsabgrenzungen, wie sie einige Berufsbilder am Huf haben und somit zumindest der Verdacht legitim ist, das eine objektive Beratung gar nicht möglich ist. Als Hufschmied obligt es unserer Verantwortung und Berufung im Sinne des Pferdes zu handeln und nicht im Sinne einer methodischen Einschränkung.